Künstliche Intelligenz: Der Daten- und Stromfresser

Stromverbrauch von KI

Wir arbeiten auf eine Energiewende zu, durch welche wir uns am Ende ausschließlich mit regenerativen Energien versorgen wollen. Doch gleichzeitig sehen wir uns einer weiteren Revolution gegenüberstehen: die Digitalisierung.

Zwanzig Watt. Das ist die Zahl, die über den Erfolg von künstlicher Intelligenz entscheidet. Gleichzeitig bereiten und diese zwanzig Watt noch eine Menge Kopfzerbrechen. Bisher ist nicht genau festzulegen, ob diese zwanzig Watt wirklich dem Tagesenergiebedarf unserer menschlichen Intelligenz entsprechen. Eventuell sind es auch dreißig Watt, was den mittlerweile antiken Glühbirnen entsprechen würde. Aber was genau bedeutet das für die Energiewende? Im Rahmen von Klimaschutzvisionen wurden Glühbirnen mit ihren dreißig Watt vom europäischen Markt verbannt und durch energieärmere Alternativen ersetzt. Bedeutet künstliche Intelligenz, welche eventuell den gleichen täglichen Energiebedarf aufweist wie eine Glühbirne, einen Rückschritt für die Energiewende?

Doch dabei bleibt es nicht: Künstliche Intelligenz entwickelt sich weiter. Was heute dreißig Watt sind, können morgen schon eine Menge mehr sein. Die Menge an verarbeitenden Daten wächst bei künstlicher Intelligenz überproportional und damit auch der benötigte Energiebedarf, um die Datenmenge weiter handhaben zu können. Übersetzungsprogramme wie von Google stellen eine lernende Maschine dar, welche auf den Prinzipien von künstlicher Intelligenz aufbauen. Solch eine Maschine erzeugt alleine in der Trainingsphase am Anfang ihres Nutzungszyklus 248 Tonnen Kohlenstoffdioxid. Diese gewaltige Menge an CO2 wurde von der University of Massachusetts in Amherst ermittelt und entspricht der fünffachen Menge an Energie, welche ein Durchschnittsauto über seinen gesamten Lebenszyklus benötigt.

Energiesauger

Natürlich ist nicht jedes System der künstlichen Intelligenz so groß wie eine gesamte cloudbasierte Sprachsoftware zur mobilen Anwendung auf Smartphones. Unbestritten bleibt jedoch, dass solche lernfähigen Maschinen überall Einzug erhalten. Mobile oder stationäre Versionen, als Assistenzsysteme oder ganze Steuerungseinheiten, in Krankenhäusern, Fabriken der Industrie, Autos oder auch privat bei uns zu Hause. Mittlerweile werden von jedem Dritten in Deutschland intelligente Lautsprecher und virtuelle Assistenten wie bspw. Amazons Alexa genutzt. Doch all dies funktioniert nur, wenn die Systeme unendlich große Menden an Daten verarbeiten können – und dabei eine Menge an Strom verbrauchen.

Doch trotzdem gibt es gute Gründe, die künstliche Intelligenz weiter zu erforschen. Autonome Autos wurden von Anfang mit dem Versprechen beworben, Unfälle verhindern und die Sicherheit steigern zu können. Gleichzeitig sollen sie durch eine smarte Vernetzung mit anderen Autos und die Steuerung durch die intelligente Maschine den Energiebedarf im Verkehrssektor auf 60 Prozent reduzieren. Bei dieser Rechnung wird jedoch ein gewaltiger Punkt vernachlässigt: Wenn die autonomen Autos in Betrieb genommen werden, haben sie bereits zu diesem Zeitpunkt durch die energieintensive Trainingsphase mehr Energie genutzt.
Doch sollten wir die Klimawende vollziehen und null klimaschädliche Emissionen erreichen bei gleichzeitig ausschließlicher Nutzung von klimaschonenden regenerativen Energien erreichen, können wir mit diesem System diese Menge an Energie überhaupt bereitstellen? Wachstum und Ressourcenverbrauch wären dabei größtenteils entkoppelt, doch würde sich die Digitalisierung weiterhin wie ein Energiemonster in unserer Industrie und Gesellschaft weltweit ausbreiten.

Digitalisierung wie ein Fieber

Im Endeffekt bleibt ein Fazit zu ziehen: Die Digitalisierung bringt gleichzeitig ökologische Probleme für unsere Welt. Auch die Digitalisierung unserer Währung in eine reine Nutzung bargeldlosen, rein digitalen Währungen, sogenannten Kryptowährungen, ergibt einen hohen Energieverbrauch. Kryptowährungen entstehen durch die Nutzung von Strom und werden diese weltweit zum Einkauf genutzt, entspricht dies 45 Terawattstunden Energieverbrauch pro Jahr oder auch 23 Milliarden Tonnen Kohlenstoffdioxid Emissionen. Das entspricht einem jährlichen Energieverbrauch ganzer Kleinstaaten wie beispielsweise der Schweiz oder auch Jordanien. Die Verschlankung aller Prozesse und die Beschleunigung dank des Cyberspaces könnte also einen gewaltigen Nachteil mit sich bringen: die Verbreitung der Digitalisierung wie ein Fieber entspricht einer ökologischen Zerstörung des Planeten.

Die Bitcoin-Wirtschaft, eine Kryptowährung, benötigt alleine fast 1200 mal so viel Energie wie der gesamte klassische Bankensektor heutzutage. Gleichzeitig benutzen den klassischen Bankensektor ein Großteil der Menschheit, wohingegen die Bitcoin-Wirtschaft nur von einer Minderheit genutzt wird. Angeblich wird die Hälfte dieses Energiebedarfes von zwei Wasserkraftwerken in China gedeckt, doch trotzdem brechen die Stromnetze regelmäßig zusammen, wenn durch die Trockenzeit nur knapp ein Drittel der Strommenge erstellt werden kann. Für diese Hungerphasen wird Kohle vorgehalten.

Doch nicht nur unsere Energienetze sind für diese Mengen an Strom nicht gewappnet. Auch der dadurch anfallende Elektronikschrott ist kaum zu bändigen. Fast elftausend Tonnen an Kabeln, Altrechnern und Servern werden allein für die Bitcoin-Erstellung jährlich erreicht. Dadurch ergibt sich ein ökologischer Fußabdruck dieser digitalen Geldverschiebung von mehr als dem Tausendfachen im Vergleich zu einer Visa-Überweisung. Oder auch der Tagesleistung von acht verbotenen 30-Watt-Glühbirnen.

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