Zur Aktienauswahl mit Hilfe Künstlicher Intelligenz

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Auch im Bereich des Fondsmanagements werden mittlerweile zunehmend Algorithmen eingesetzt. Wie geht das Auswahlverfahren vonstatten?

Künstliche Intelligenz – kurz – und entsprechende Softwarelösungen dringen in immer mehr Lebensbereiche vor.

Demensprechend war es auch nur eine Frage der Zeit, bis die Branche des Fondsmanagements hierauf aufmerksam wurde. Hier wird Künstliche Intelligenz mittlerweile nicht nur im Sinne einer Anlageidee eingesetzt, sondern auch als Werkzeug zur Vermögensverwaltung. Die Fondsgesellschaft Acatis beispielsweise setzt seit nun etwa drei Jahren auf Künstliche Intelligenz beziehungsweise entsprechende Software zur Analyse ihrer Fundamentaldatenbank.
Dazu werden bereits seit Mai 2018 Online-Beiträge für den Fonds „Buzz US Equities“ durchsucht, um die Aktien mit der besten Investorenstimmung zu finden. Zudem hat das Fintech Catana bereits einen Fonds – den „Data Intelligence Fund“ – am Markt, für den durch KI-Software vollautomatisiert Anlageentscheidungen getroffen werden, die auf der Analyse der „Big Data“ im Internet beruhen. Dies ist jedoch schon der zweite Versuch von Catana: den Vorgängerfonds „Big Data“ hatte das Unternehmen im Jahre 2017 schon nach einem Jahr aufgrund von Verlusten um die 25 Prozent vom Markt genommen.

Seit Beginn des Jahres hat darüber hinaus Oddo BHF einen Fonds auf dem Markt, der zur Aktienauswahl Künstliche Intelligenz einsetzt. Dieser sei nach Fondsmanager Brice Prunas in seiner Art jedoch völlig einzigartig. Um diese Einzigartigkeit zu gewährleiten, sollen die hieran beteiligten Mitarbeiter/-innen ganze 18 Monate an dem zugrundeliegenden Algorithmus gefeilt haben. Innerhalb dessen werden schließlich unstrukturierte Datensätze im „Big Data“ untersucht, von welchen täglich etwa vier Millionen neu entstehen. Prunas setzt bei der Analyse vor allem auf drei Aspekte: eine Stimmungs-, eine Trend- und eine semantische Analyse. Wichtig ist für ihn dabei vorrangig, welche Subthemen aktuell die höchste Relevanz aufweisen und wie sich Unternehmen zu ihnen positionieren. Daraus ergebe sich schließlich ein Universum aus etwa 300 Aktien, so Prunas.

Eine klassische Auswahl

Für den Themenfonds stehen Anlageobjekte beziehungsweise Aktien aus dem Bereich der Künstlichen Intelligenz im Mittelpunkt. Um diese entsprechend zu finden, musste durch das Management zunächst einmal ein Fundus an den wichtigsten Stichwörtern und zentralen Unterschlagworten definiert werden – wie etwa „Maschinelles Lernen“ oder „Neuronale Netzwerke“.
Die KI-Software Prunas zählt im Rahmen ihrer Analyse aber nicht allein relevante Artikel, sondern stellt eine Verbindung zwischen den definierten Schlagworten und erwähnten Unternehmen her und schätzt schließlich deren Qualität ein. Die Schaffung zusätzlicher Arbeitsplätze in einem Unternehmen wird demnach beispielsweise positiv bewertet, der Rücktritt eines Finanzvorstandes dagegen negativ, so Prunas. Darüber hinaus kann die hierfür eingesetzte Künstliche Intelligenz einschätzen, welche Artikel schlicht von anderen Artikeln abgeleitet wurden. Die hier eingesetzten Algorithmen sind demnach auch in der Lage, die Problematik der kognitiven Voreingenommenheit auszugleichen. Schließlich kommt es immer wieder vor, dass Fondsmanager/-innen Unternehmen gelegentlich aufgrund irrationaler Aspekte (beispielsweise des Bekanntheitsgrades ihres Namens) attraktiver bewerten.

Was bleibt ist dann ein Portfolio von etwa 60 Aktien. Aus diesem wird anschließend an die (mechanisch/ technische) Analyse tatsächlich auf recht klassische Art ausgewählt, nämlich mittels eines hauseigenen und quantitativen Modells, welches beispielsweise ein weiteres Mal die Qualität und Bewertung der Auswahl analysiert. Zuletzt wird die getroffene Auswahl außerdem noch einmal durch das Management auf mögliche Fehler hin überprüft. Dabei kam es bisher scheinbar nur selten vor, dass sich bestimmte relevante Ereignisse ausgewählter Unternehmen zum Zeitpunkt der Analyse noch nicht ausreichend im „Big Data“ niedergeschlagen hatten, so Prunas. Dennoch sei Künstliche Intelligenz beziehungsweise die jeweilige Software mit ihren Algorithmen keineswegs perfekt, weshalb die Ergebnisse der Analysen stets noch einmal von Mitarbeiter/-innen überprüft würden. Diesen/ seinen Ansatz bezeichnet Prunas deshalb auch als „systematisch“, womit sich seine Art des Managements deutlich von aktiven, passiven und quantitativen Herangehensweisen unterscheide.

„Man wird sehen, wer hier am Ende das Rennen macht“, so Pruna.

Um eine angemessene Betrachtung im Feld der KI leisten und alle wichtigen Facetten abdecken zu können, bezieht der Fonds Prunas vornehmlich Aktien kleiner bis mittlerer Unternehmen ein, denn diese gelten hier häufig als Treiber neuer Entwicklungen und Fortschritte. Hierbei mag der Bereich beziehungsweise das Themengebiet der Künstlichen Intelligenz zwar zunächst als recht klein und/ oder eng erscheinen, Brunas fasst es in seinem Sinne jedoch sehr weit. Von ihm werden schließlich Unternehmen gesucht, die einen bestimmten Wettbewerbsvorteil haben und/ oder durch KI versuchen, wirtschaftliche Werte zu schaffen. Darunter könne sich auch einmal ein Hersteller von Bremsen befinden, so Prunas. Insgesamt komme etwa die Hälfte der Unternehmen aus dem Portfolio aus der Technologiebranche, die andere dagegen aus völlig anderen Bereichen. Google und weitere dieser Tech-Riesen würden hier tatsächlich nur bedingt betrachtet und/ oder einbezogen.

Für die Werteentwicklung stelle einen wesentlichen Treiber wohl aber die Möglichkeit der Übernahme dar. So wurden beispielsweise drei kleinere Unternehmen, deren Aktien Prunas für seinen Fonds erworben hatte, in gerade einmal fünf Monaten übernommen. Dies sei vor allem auch der Tatsache geschuldet, dass die großen Weltkonzerne durch Übernahme kleinerer und innovativer Unternehmen im Bereich der KI versuchten, sich selbst im Wettbewerb zu stärken.
Als bedeutend erweisen sich dabei aktuell vor allem drei Subthemen: Konsumgüter, zu denen beispielsweise die aktuell sehr beliebten Saug- oder Rasenmähroboter gehören, sowie Halbleiter und Rüstung. Vor allem die Analyse immenser Datenmengen erfordert jedoch völlig neue Halbleitertypen. Hierbei geht der Trend vor allem zu anwendungsorientierten „Asic-Chips“ hin. Darüber hinaus wird aber auch neue Speichertechnik zunehmend interessanter. Wer am Ende schließlich das Rennen macht, würde man zu gegebener Zeit sehen, so Prunas.

Um die Zuverlässigkeit seines Fonds zu erhalten beziehungsweise wieder zu erhöhen, wird quartalsweise eine Umschichtung dessen vorgenommen. Natürlich könne man dies beziehungsweise eine ausführliche KI-Analyse auch täglich vollziehen, jedoch würde dies für zu viel Unruhe sorgen und den Blick auf die neuen Trends eher verstellen, so Pruna. Zwar ist sein Fonds nach einem recht erfolgreichen Start in jüngerer Zeit zunächst wieder hinter seinen Vergleichsindex zurückgefallen, doch besteht auch bei den übrigen KI-Fonds am Markt Nachholbedarf. Schließlich stehen sie alle noch an ihrem Anfang.

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