SILICON VALLEY BANK: Wie steht es um Deutschland als Tech-Standort?

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Einmal pro Vierteljahr erscheint der Bericht der Silicon Valley Bank über den Zustand der Tech-Wirtschaft rund um den Globus.

Alles Wichtige aus dem aktuellen Report ist hier zusammengefasst.

Die meisten Menschen haben bereits etwas von der Silicon Valley Bank gehört im Zusammenhang mit der Start-up-Szene. In den 1980er Jahren gegründet, finanzierte die Hausbank über 30.000 junge Unternehmen. Zudem können Wagniskapitalgeber Geld bei ihr leihen. Dank der Standorte in Indien, Deutschland, China, Großbritannien und Israel sind dem Institut die Strukturen direkt vor Ort bestens bekannt.
Einmal pro Vierteljahr berichtet die Bank darüber, in welchem Zustand sich die Tech- und Innovationswirtschaft rund um den Globus befindet. Dieser Report liegt dem Handelsblatt bereits im Voraus vor. Welche Entwicklungen in Deutschland und Europa erwähnenswert sind, folgt nun im Überblick.

Europa steht auf Platz Drei des Siegertreppchens

In ganz Europa gehören über 24 Start-ups zur Silicon Valley Bank, welche mit einer Milliarden Euro oder mehr bewertet werden. Diese werden auch als sogenannte europäische Einhörner bezeichnet. Am Standort Deutschland befinden sich beispielsweise About You, Auto1 und auch das Technologie-Start-up Celonis in München.
In Europa wachsen im weltweiten Vergleich die drittmeisten Start-ups heran. Mehr sind es lediglich in den USA und China laut Bericht.

Fintechs gelten als stark, Hardware eher als schwach

Verglichen mit den Vereinigten Staaten von Amerika und China, ragt Deutschland im Fintech-Bereich heraus. Einhörner in diesem Bereich beschäftigen sich mit Innovationen rund um Finanzdienstleistungen.
Von allen hochbewerteten Start-up-Unternehmen befinden sich etwa 31 Prozent in Europa. Der Standort überholt in dieser Hinsicht China und die Vereinigten Staaten von Amerika deutlich.
Letztere haben ihre Stärken dafür in anderen Bereichen: Für China liegen diese im Konsumsektor, in den USA hingegen dominieren die Start-ups der Unternehmenssoftware-Branche. Beim Thema Hardware liegt Europa weit hinten im Vergleich mit China, dessen Einhörner in diesem Bereich mit Milliarden bewertet werden.

Wachstum der Fonds in Europa zu verzeichnen

Das europäische Wagniskapital wächst: Im Jahr 2018 sollen in Europa Fonds geschlossen werden, die über 250 Millionen Euro wert sind. Begünstigt wird dies durch Investments durch Family Offices, die stetig wachsen. Auch staatliche Akteure wie zum Beispiel der KfW oder die British Business Bank leisten ihren Anteil. Ein kleiner Wermutstropfen lässt sich allerdings verzeichnen: Das ist nur fast ein Viertel des Gesamtkapitals in den USA.

Auch Exits steigen auf dem europäischen Kontinent

Der Bericht beschreibt, dass es ein Jahrzehnt der Innovation braucht, bis die Ernte beginnen kann. Sportradar und iZettle lassen sich unter den drei größten Akquisitionen finden, Spotify, Adyen und Farfetch als die drei größten Börsengänge innerhalb der letzten fünf Jahre – sie alle erfolgten im Jahr 2018.

Start-ups durch Unternehmen gestützt

Laut der analysierenden Fachmänner der Silicon Valley Bank gewinnen Konzerne in Europa an Bedeutung. Im Jahr 2018 wurden 20 Prozent aller Finanzierungsrunden von Unternehmen unterstützt – das ist ein besseres Ergebnis als in den USA. Die Deutsche Telekom mit 47 Deals sowie Next 47, die Siemens-Start-up Einheit, mit 30 Deals gelten als besonders stark. Auch Robert Bosch schafft es mit neun Deals in die Auflistung.

Dezentralisierung in Deutschland

Der Standort Deutschland bleibt der föderalen Tradition treu. Auch darauf konzentriert sich der Bericht. Berlin steht als Hauptschauplatz auf Rang eins der Start-up-Standorte. Allerdings unterscheidet sich Deutschland von Ländern, in denen sich die Branche ebenfalls auf eine Stadt konzentriert. Vor allem hinsichtlich Start-up-Unternehmen im Deeptech-Bereich lassen sich weitere Standorte in verschiedenen Regionen Deutschlands finden. Die birkle IT AG, spezialisiert auf Robotik und künstlicher Intelligenz, ist am Standort München.

Nach Deutschland fließt jede Menge ausländisches Kapital

Der Bericht bezeichnet Deutschland als sogenannten Ausreißer. Hier werden zwar hohe Investitionen an Land gezogen, allerdings befinden sich unter den zwölf aktiven Investoren keine heimischen. Hinsichtlich dessen gehört Deutschland zu den Top drei Ländern.
Herausragend im Hinblick auf die Stärke ist Index Ventures, ein britischer Investor, welcher Unternehmen wie Ayden, Dropbox sowie Sonos unterstützt. Auch der US-amerikanische Accel sowie die französischen IdInvest Partners und Bpifrance investieren fleißig.

Bob Blee, Head of Corporate Finance in der Silicon Valley Bank, berichtet über seine Beobachtungen, dass Deutschland dahingehend überrascht, dass sich Dinge schnell verändern. Entsprechend seiner Meinung wurde über einen langen Zeitraum überwiegend Kapital aus dem Ausland angezogen. Dies änderte sich dahingehend, dass nun auch einheimische Kapitalgeber beträchtliche Summen sammeln. Sinn der Sache ist, den lokalen Start-ups entgegenzukommen hinsichtlich des Wachstumskapitals, welches diese benötigen.

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