Der Einzug des digitalen Wandels in der Versicherungsbranche

Digitaler Wandel Versicherungen

Der digitale Wandel fand unlängst auch Einzug in die Versicherungsbranche und ermöglicht bereits bestehenden Unternehmen sowie Startups eine Vielzahl an neuen Möglichkeiten im Bereich Insurance Technology, kurz InsurTechgenannt. Eine Studie des Versicherungsmaklers Finanzchef 24 zeigte auf, dass im vergangenen Jahr in Deutschland ganze 82 Millionen Dollar in den digitalen Versicherungsmarkt einflossen. Dieser Fakt spricht eindeutig für eine intensivere Beschäftigung mit Insurance Technology und die neuen Möglichkeiten, die sich aufgrund dieser Entwicklung bieten.

Was bedeutet InsurTech?

Sowohl die Struktur als auch die Wertschöpfungskette des Großteils der Branchen und Unternehmen wurden und werden weiterhin im Zuge des digitalen Wandels verändert. Dazu zählt auch die Versicherungsbranche, die sich anhand der neuen Möglichkeiten rasant weiterentwickelt. Aus den englischen Begriffen Insurance für Versicherung und Technology für Technologie setzt sich die Bezeichnung InsurTech zusammen. Daraus ergibt sich die folgende Definition: InsurTech umfasst jegliche Versicherungsdienste, die sich an digitalen Technologien bedienen.
Um besser verstehen zu können, inwiefern die Versicherungswirtschaft vom digitalen Wandel beeinflusst und weiterentwickelt wird, folgt eine nähere Erläuterung bezüglich der Branche.


Flypper

Bei Flypper handelt es sich um den ersten digitalen Sachversicherer in ganz Europa. Dominik Groenen entfernte sich davon, Finanzprodukte mit Apps und Startups zu vermitteln und begab sich in die Gefilde der Produzenten. Mit seinem neuen Startup entwickelt Groenen das Versicherungskonzept von Lemonade weiter, welches aktuell in den USA für große Aufmerksamkeit sorgt.
Mit Flypper startet er in diesem Jahr mit gleich sieben Produkten. Dazu zählen eine Privat-, Hausrat-, Gebäude-, Unfall- und Tierhaftpflichtversicherung. Hinzu kommt ein gänzlich neuartiges Produkt, welches es in dieser Form noch nie gab.

AppSichern

Die Plattform AppSichern schneidet den Versicherungsschutz individuell auf bestimmte Situationen zu. Ein großer Vorteil ist, dass die jeweilige Versicherung nicht gekündigt werden muss, die Gefahr, Fristen zu verpassen entfällt also. Mit Ablauf des vereinbarten Zeitraums endet der Versicherungsschutz ganz automatisch. Außerdem sind sämtliche Dienste der Plattform von überall zu jeder Zeit abrufbar, denn sie arbeitet über eine kostenlose App, die sowohl für Android als auch iPhone geeignet ist.

Element

2016 gründete Finleapin Berlin Element. Mittlerweile beschäftigt es rund 20 Mitarbeiter und bietet Insurance-as-a-Service nicht nur für InsurTech-Startups, sondern auch für Makler und etablierte Versicherungen.

wefox

Bei wefox handelt es sich um ein Unternehmen, welches alle automatisierten Aufgaben eines Maklers übernimmt und als Backoffice fungiert. Die Beantwortung von einfachen Fragen und die automatische Erstellung und Vorbereitung von Terminen werden von einem Bot übernommen. Beratungsgespräche werden über einen digitalen Videochat geführt und auch das Verarbeiten von Änderungen, wie beispielsweise neue Policen oder Kündigungen werden vom System übernommen.

clark

Die Makler-Dienstleistungen wurden von clark digitalisiert. Auf diesem Weg kann eine günstige aber trotzdem intensive Kundenbetreuung angeboten werden.
Die Kunden beantworten einmal jährlich per App oder am PC Fragen über ihre aktuelle Lebenssituation, sodass clarkdirekt auf veränderte Umstände reagieren und Anpassungsvorschläge zu bestehenden Versicherungen anbieten kann.

birkle IT AG

birkle IT AG berät und unterstützt Unternehmen aus der Versicherungs- und Finanzbranche. Mithilfe eines ganzheitlichen Verständnisses der Geschäftsprozesse finden die IT-Spezialisten bedarfsgerechte IT-Lösungen. Ob internationale Absatzstrecken für Weltmarktführer, Ablösungen von Alt-/Bestandsystemen oder individuelle Lösungen auf Basis von künstlicher Intelligenz ­– die birkle IT AG bringt Erfahrung von der Analyse bis zur Implementierung und Betreuung mit.

Friendsurance

Bereits vor sieben Jahren ging das Startup Friendsurance als Peer-to-Peer-Versicherung an den Markt. Lizensiert ist es formell zwar als Makler, dennoch schuf es ein innovatives Versicherungskonzept. Über den Schadenfreiheitsbonus hat der Kunde die Möglichkeit eine Summe von bis zu 40% von seinen eingezahlten Versicherungsbeiträgen zurückerstattet zu bekommen.

Etherisc

Der Gründer von Etherisc, Christoph Mussenbrock, machte sich die dezentralen Versicherungen zur Aufgabe. Diese ermöglichen die Erstellung von Versicherungsprodukten in Zusammenarbeit mit verschiedenen Anbietern. Dazu zählt beispielsweise die Kundenidentifikation, die Risikoberechnung oder die Policeüberwachung.

Ottonova

Im Jahr 2015 wurde Ottonova gegründet. Seit 2017 macht es sich das Unternehmen zur Aufgabe, den privaten und recht unmodernen Krankenversicherungsmarkt weiterzuentwickeln. Es stellt einen komplett digitalen Anbieter zur Verfügung, der sich nicht nur um die private Krankenvollversicherung, sondern auch um jegliche Zusatzversicherungen kümmert.


Welche Möglichkeiten haben die Versicherungs-Corporates?

In der heutigen Zeit erwarten gerade junge Kunden zusätzlich zu einer kompetenten Beratung günstige Preise, einfache Abwicklungen und schnelle Problemlösungen. Idealerweise besteht die Möglichkeit die eigenen Versicherungsangelegenheiten digital regeln zu können.

Das Zusammenbringen von digitalen und analogen Kanälen

Vielen Versicherungsunternehmen fällt es schwer, sich den Bedürfnisse der neuen Verbrauchergruppe anzupassen, deren Leben hauptsächlich online von Statten geht. Ziel ist es, die nahtlose Kundenerfahrung zwischen analogen und digitalen Kanälen möglich zu machen. Das Problem der Unternehmen liegt nicht beim Erkennen des Handlungsbedarfs im Bereich Digitalisierung, sondern bei der Umsetzung und Anwendung all der innovativen Möglichkeiten, die sich im Zuge dessen bieten. Sie hängen oftmals an ihren gewohnten Strukturen oder sind an staatliche Regulationen gebunden.

Natürlich gibt es konträr dazu auch eine Vielzahl an Versicherungsunternehmen, die sich InsurTech engagiert annehmen und sich bemühen, einen Wandel in der Branche anzustoßen und sich den neuen Bedürfnissen der Kunden anzupassen.

Blockchain

Die dezentrale Datenstruktur Blockchain gilt als Grundlage einer Vielzahl von digitalen Währungen, wie beispielsweise Bitcoin. Mithilfe dieser Technologie ist es möglich, alle Verträge und Transaktionen transparent, überprüfbar und damit fälschungssicher zu gestalten.

Sinnbildlich funktioniert Blockchain wie ein offenes Buch, das jederzeit eingesehen werden kann und sämtliche Transaktionen einer Währung genau auflistet. Das Ganze geschieht dezentral, das heißt die Informationen werden auf verschiedenen Rechnern gespeichert und bearbeitet. Aufgrund dessen muss die Blockchain nicht von einer zentralen Autorität verwaltet werden.

Attraktive Smart Contracts für Versicherungsunternehmen

Mittlerweile gibt es weitaus komplexere Ansätze bezüglich der Blockchain, wie beispielsweise die Smart Contracts. Sie ermöglichen es, mehrere Prozesse auf der Blockchain abzulegen und in Echtzeit genauestens nachzuverfolgen.

Die Blockchain kann für Startups und Corporates im Versicherungswesen sehr vielfältig eingesetzt werden. Die amerikanische Versicherung Rainvow bietet mithilfe von Smart Contracts parametrische Versicherungen. Damit sind Nebenabsicherungen möglich, womit unvorhergesehene Kosten automatisch kompensiert werden können.

B3i: Erst- und Rückversicherer vereint

Das enorme Eigenmanagement der Versicherungsbranche verdeutlicht die Wichtigkeit des Themas Blockchain innerhalb der Wirtschaft und welches Ausmaß es in Zukunft annehmen könnte. Beispielshaft dafür steht die Blockchain Insurance Industry Initiative, kurz B3i. Dabei handelt es sich um einen Zusammenschluss von Erst- und Rückversicherern mit Gründungsmitgliedern, wie beispielsweise Allianz, Swiss Re oder Zurich. Die Transaktionskette zwischen den einzelnen Marktteilnehmern soll zugunsten möglicher Blockchain-Anwendungsfälle erforscht werden und die konkrete Kundennutzung im Bereich der Optimierung der unternehmensübergreifenden Transaktionen soll nachgewiesen werden.

Wie arbeitet eine Versicherung überhaupt?

Der Wirtschaftszweig der Versicherungen ist von erheblicher volkswirtschaftlicher Bedeutung. Aufgrund des Dienstleistungscharakters dieses Zweiges zählen auch die Schadenverhütung und -regulierung zu den Aufgabengebieten. Unter Schadenverhütung sind alle Maßnahmen zu verstehen, die die Wahrscheinlichkeit des tatsächlichen Eintreffens und dessen Höhe mindern. Dazu zählen beispielsweise vorbeugender Brandschutz oder nachträgliche Sicherungsmaßnahmen.
Zusätzlich ermöglicht die Versicherungswirtschaft risikoreiche Produktionen und Ausfuhrhandel und die Absicherung im Falle von privaten Lebensrisiken.
Anhand des Prämienvolumens gelten die KFZ-, die Lebens- und die private Krankenversicherung als wichtigste und rentabelste Versicherungszweige.

Finanzielle Reserven gebildet aus Kundenbeiträgen

Bei Versicherungen gilt das Solidarprinzip. Die Versicherungsnehmer zahlen ihre Beiträge entweder monatlich, quartalweise oder jährlich an das Unternehmen. Dieses wiederum zahlt davon die Schäden, die dem Versicherten widerfahren. Fakt ist allerdings, dass ein Schaden im Regelfall deutlich seltener eintrifft, als Beitragszahlungen fällig sind. Auf diesem Weg erwirtschaftet sich das jeweilige Versicherungsunternehmen Reserven, mit denen sie problemlos auch für größere Schadensfälle aufkommen können.

Die Höhe der Versicherungsbeiträge wird von Statistikern und Mathematikern berechnet. Dazu nutzen sie das Verfahren der Wahrscheinlichkeitsrechnung und ermitteln, wie hoch das persönliche Risiko des jeweiligen Kunden in einer bestimmten Lebenslage ist. Exemplarisch dafür gilt beispielsweise die KFZ-Versicherung. Kunden, die viele Jahre unfallfrei fahren, zahlen weitaus geringere Beiträge als Versicherungsnehmer, die regelmäßig Schäden im Straßenverkehr verursachen.

Das Solidarprinzip – die Grundlage aller Versicherungen

Das stimmt nicht ganz, denn die gesetzliche Krankversicherung bedient sich diesem Prinzip nicht. Der Gesetzgeber ist derjenige, der den Prozentsatz festlegt, den der Kunde von seinem Bruttoeinkommen an die Versicherung abtreten muss.

Auch die private Krankenversicherung basiert auf einem anderen Prinzip: dem Äquivalenzprinzip. Hierbei ist der zu zahlende Beitrag von persönlichen Faktoren, wie Gesundheitszustand oder Eintrittsalter abhängig.

Rückversicherer sichern Versicherungen ab

Doch was sind eigentlich Rückversicherer? Sie sind diejenigen, die den Erstversicherern – den Instanzen, die sich um die Endkunden kümmern – Deckungsschutz für Großschäden bieten. Im Falle einer Naturkatastrophe beispielsweise, bei der eine Vielzahl an Versicherungsnehmern gleichzeitig finanzielle Unterstützung benötigen kann der Fall eintreten, dass die Rücklagen der jeweiligen Versicherung nicht ausreichen und auch diese auf die Hilfe anderer angewiesen ist. Diese bekommt sie von den Rückversicherern.

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